Was Sie wissen sollten

 

Erklärungen im Detail

Wohngebäude

Um ein Wohngebäude handelt es sich, wenn mindestens 50% der Fläche privat genutzt werden. Ist dies nicht der Fall, weil ein Gewerbe oder eine sonstige selbständige Tätigkeit darin ausgeübt wird, fällt es in den Bereich der gewerblichen Gebäudeversicherung und kann nicht als Wohngebäude versichert werden.

Gebäudeart

Hier wird z.B. unterschieden nach Einfamilienhaus, Zweifamilienhaus, Mehrfamilienhaus, Doppelhaus, Doppelhaushälfte oder Reihenhaus. Ein Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung wird hier oft wie ein Zweifamilienhaus eingestuft.

Bauartklasse

Nachfolgend die Übersicht zur Einteilung der einzelnen Klassen

Achten Sie auf die Unterscheidung zwischen massiver Bauweise und Fertighaus. Die Bauartklasse wirkt sich auf die Höhe der Prämie aus, weil Fertighäuser als höheres Risiko eingestuft werden. Gerade dann, wenn Sie eine Wohngebäudeversicherung trotz Vorschäden suchen, sind Fertighäuser deshalb oft schwieriger zu versichern, als massiv gebaute Immobilien.

Dachart

Um was für ein Dach handelt es sich. Giebeldach, Flachdach, Reetdach, …u.ä.

Selbstgenutzt oder vermietet

Selbstgenutzte Wohngebäude sind in der Risikoeinstufung geringer bewertet als vermietete Wohngebäude. Versicherer gehen davon aus, dass vermietete Wohneinheiten einem höheren Risiko ausgesetzt sind bzw. Eigentümer, die selbst in einem Objekt leben gewissenhafter damit umgehen als Mieter.

Komplettsanierung

Wurden Teile des Hauses, z.B. Wasser, Sanitär, Heizung, Dach oder Elektrik, vollständig saniert? Hier ist zu beachten, dass komplett auch wirklich komplett bedeutet. Wurden beispielsweise lediglich Teile der Elektrik erneuert, dann handelt es sich um keine Komplettsanierung. Dies erscheint logisch, führt aber dennoch immer wieder zu Falschangaben.

Kernsanierung

Kernsanierung bedeutet, dass Dachstuhl, Mauern, Decken, Böden, Putz, Fenster und Türen in einem neuwertigen Zustand versetzt sind. Grundvoraussetzung ist zudem die komplette Erneuerung des Rohrleitungssystems (Zu- und Ableitungen), der Heizungseinrichtungen, der sanitären Anlagen, der elektrischen Leitungen und der Dacheindeckung. Wurde eine Kernsanierung angegeben und in Wirklichkeit entspricht dies aber nicht den Tatsachen, dann besteht für darauf zurückzuführende Schäden kein Versicherungsschutz.

Feuerversicherung

Sie bietet Schutz vor den finanziellen Folgen eines Brandschadens durch Feuer, Blitzschlag, Explosion. Immer häufiger sind auch Implosionsschäden mitversichert in den Tarifen. Im Rahmen der Feuerversicherung ebenfalls versichert sind Schäden, durch den Anprall oder den Absturz von Luftfahrzeugen, seinen Teilen oder seiner Ladung. Mehr zur Feuerversicherung erfahren Sie hier.

Leitungswasser

Die Leitungswasserversicherung gehört mittlerweile zu den schadenträchtigsten Sparten, die den Versicherungsgesellschaften immer wieder Sorgen bereitet. Mitversichert oder mitversicherbar sind Schäden durch Rohrbruch an Zuleitungsrohren oder auch Ableitungsrohren auf dem Versicherungsgrundstück, außerhalb des Versicherungsgrundstücks, an der Fußbodenheizung oder auch an Klimageräte, Wärmepumpen und Solaranlagen. Weiterhin Aquarien und Wasserbetten. In einigen Tarifen kann auch die Beseitigung von Rohrverstopfung mitversichert sein.

Sturm / Hagel

Stürme haben in der Vergangenheit immer wieder für große Schäden gesorgt. Die Entfernung von durch Sturm umgestürzte Bäume fällt hier in diesen wichtigen Versicherungsschutz mit hinein, wie auch Schäden am Gebäude selbst, die durch Sturm entstanden sind. Einige Tarife verzichten auf eine Mindestwindstärke, was durchaus empfehlenswert ist zu berücksichtigen. Andere Tarife leisten beispielsweise erst bei Sturmschäden, die ab Windstärke 8 entstanden sind. Wir empfehlen auf diesen wichtigen Baustein nicht zu verzichten.

Naturgefahren

Rückstau, Überschwemmung, Starkregen

Glasversicherung

Mitversicherung der Gebäudeverglasung

Verzicht auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit

Wird bei Wohngebäudeversicherungen ein Schaden grob Fahrlässig herbeigeführt, so kann der Versicherer den Schaden im Verhältnis zur Höhe der Fahrlässigkeit kürzen. Ist jedoch der Verzicht auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit vereinbart, wird auch in diesem Fall der komplette Schaden erstattet.

Rauch & Rußschäden

Nicht immer ist es ein Feuer, wodurch der größte Schaden entsteht. Wenn sich Rauch und Ruß in Ihrer Immobilie absetzen, dann zieht das hohe Sanierungskosten nach sich. Aus diesem Grund kommt es bei billigen Wohngebäudversicherungen häufig vor, dass dieser Punkt nicht oder nur unzureichend versichert ist. Machen Sie hier möglichst wenige Abstriche.

Baupreisindex

siehe Gleitender Neubauwert

Wert 1914

siehe Gleitender Neubauwert

Gleitender Neubauwert

Grundlage für die gleitende Neuwertversicherung ist der Versicherungswert 1914. Dabei handelt es sich um den ortsüblichen Neubauwert des Gebäudes unter Berücksichtigung von:

  • Größe
  • Ausstattung
  • Ausbau
  • Architektengebühren
  • Konstruktionskosten
  • Planungskosten

Weil im Jahr 1914 das Baupreisniveau zum letzten Mal stabil war, setzen die Versicherer diesen Wert als Basiswert an. In sämtlichen anderen Jahren war die Baupreisstabilität nicht gegeben.

Zur Vermeidung einer stetigen Unterversicherung durch die steigende Baupreisentwicklung, passen die Versicherer die Wohngebäudeversicherungen regelmäßig entsprechend dem Baupreisindex an.

Dabei wird der Wert 1914 nicht erhöht und bleibt stets identisch. Lediglich der Baupreisindex wird angepasst, was natürlich auch die Wohngebäudeversicherung Kosten Jahr für Jahr ansteigen lässt. Das ist aber auch wichtig und richtig, weil nur so eine Unterversicherung vermieden werden kann.

Noch heute berechnen die Versicherer die Versicherungssumme auf Grundlage des 1914er Werts.

Nutzung

Unterversicherung

Unterversicherung liegt vor, wenn bei Schadeneintritt bzw. bei Eintritt des Versicherungsfalls die versicherte Summe niedriger angesetzt wurde, als die zu versichernde Sache (Bsp. Wohngebäude oder Hausrat) tatsächlich wert ist. (§75 VVG)

Ist die Versicherungssumme zu niedrig, so wird im Schadenfall nur im Verhältnis der bestehenden Unterversicherung zur Schadenhöhe reguliert. Bei einer hohen Unterversicherung kann dies zu einem existenzbedrohenden Risiko werden.

Ein Beispiel: Hat ein Gebäude einen wirklichen Wert von 500.000 EUR und wurde aber nur mit 250.000 EUR versichert, dann wäre das Objekt zu 50% unterversichert. Nun könnte man meinen, im Falle eines Totalschadens leisten Wohngebäudeversicherungen immerhin die versicherten 250.000 EUR, aber dem ist nicht so. Durch die 50%ige Unterversicherung leistet der Versicherer lediglich 50% von 250.000 EUR, also 125.000 EUR. Bei einem tatsächlichen Gebäudewert von 500.000 EUR werden also lediglich 125.000 EUR durch die Wohngebäudeversicherung ersetzt.

Sie sehen, wie wichtig es ist, beim Abschluss von Wohngebäudeversicherungen darauf zu achten, dass mit dem Versicherer ein Unterversicherungsverzicht vereinbart wird.

Kündigungsfrist

Die Kündigungsfrist bei einer Wohngebäudeversicherung Kündigung beträgt regulär 3 Monate zum Ablauf des Vertrags. Besondere Kündigungsfristen gibt es für die Wohngebäudeversicherung Kündigung im Schadensfall. Hier kommt §92 VVG zum Tragen. Ebenfalls können Kunden bei einer Beitragserhöhung, die nicht mit der Erhöhung durch den Baupreisindex zusammen hängt, außerordentlich kündigen (§40 VVG) oder auch bei einem Eigentümerwechsel (§96 VVG).

§ 92 Kündigung nach Versicherungsfall

(1) Nach dem Eintritt des Versicherungsfalles kann jede Vertragspartei das Versicherungsverhältnis kündigen.
(2) Die Kündigung ist nur bis zum Ablauf eines Monats seit dem Abschluss der Verhandlungen über die Entschädigung zulässig. Der Versicherer hat eine Kündigungsfrist von einem Monat einzuhalten. Der Versicherungsnehmer kann nicht für einen späteren Zeitpunkt als den Schluss der laufenden Versicherungsperiode kündigen.
(3) Bei der Hagelversicherung kann der Versicherer nur für den Schluss der Versicherungsperiode kündigen, in welcher der Versicherungsfall eingetreten ist. 2Kündigt der Versicherungsnehmer für einen früheren Zeitpunkt als den Schluss dieser Versicherungsperiode, steht dem Versicherer gleichwohl die Prämie für die laufende Versicherungsperiode zu.

§ 40 Kündigung bei Prämienerhöhung

(1) Erhöht der Versicherer auf Grund einer Anpassungsklausel die Prämie, ohne dass sich der Umfang des Versicherungsschutzes entsprechend ändert, kann der Versicherungsnehmer den Vertrag innerhalb eines Monats nach Zugang der Mitteilung des Versicherers mit sofortiger Wirkung, frühestens jedoch zum Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Erhöhung, kündigen. 2Der Versicherer hat den Versicherungsnehmer in der Mitteilung auf das Kündigungsrecht hinzuweisen. Die Mitteilung muss dem Versicherungsnehmer spätestens einen Monat vor dem Wirksamwerden der Erhöhung der Prämie zugehen.
(2) Absatz 1 gilt entsprechend, wenn der Versicherer auf Grund einer Anpassungsklausel den Umfang des Versicherungsschutzes vermindert, ohne die Prämie entsprechend herabzusetzen.

§ 96 Kündigung nach Veräußerung

(1) Der Versicherer ist berechtigt, dem Erwerber einer versicherten Sache das Versicherungsverhältnis unter Einhaltung einer Frist von einem Monat zu kündigen. Das Kündigungsrecht erlischt, wenn es nicht innerhalb eines Monats ab der Kenntnis des Versicherers von der Veräußerung ausgeübt wird.
(2) Der Erwerber ist berechtigt, das Versicherungsverhältnis mit sofortiger Wirkung oder für den Schluss der laufenden Versicherungsperiode zu kündigen. Das Kündigungsrecht erlischt, wenn es nicht innerhalb eines Monats nach dem Erwerb, bei fehlender Kenntnis des Erwerbers vom Bestehen der Versicherung innerhalb eines Monats ab Erlangung der Kenntnis, ausgeübt wird.
(3) Im Fall der Kündigung des Versicherungsverhältnisses nach Absatz 1 oder Absatz 2 ist der Veräußerer zur Zahlung der Prämie verpflichtet; eine Haftung des Erwerbers für die Prämie besteht nicht.

Versicherungssumme

Der Versicherungswert ist der tatsächliche Wert der Immobilie. Die Versicherungssumme ist der Wert, den man in der Gebäudeversicherung angibt. Wird der Wert einer Immobilie nicht korrekt ermittelt und die Versicherungssumme falsch angegeben, kommt es zu einer Unterversicherung. Es ist deshalb absolut wichtig, dass Versicherungssumme und Versicherungswert korrekt ermittelt und identisch sind.

Im Rahmen der Wohngebäudeversicherung kann der Versicherungswert einer Immobilie wie folgt vereinbart werden:

  • Gleitender Neuwert
  • Fester Neuwert
  • Zeitwert
  • Gemeiner Wert

Als Neuwert bezeichnet man den ortsüblichen Neubauwert incl. Architektengebühren, Konstruktions- und Planungskosten. Unterschieden wird der gleitende Neuwert und der feste Neuwert.

Der Zeitwert in der Gebäudeversicherung ist der ortsübliche Neubauwert abzüglich Wertminderung durch Alter und Abnutzung. Da Wohngebäude aber ohne Rücksicht auf den Zeitwert nach der gleitenden Neuwert Methode oder der festen Neuwert Methode versichert werden können, spielt der Zeitwert in der Wohngebäudeversicherung praktisch keine Rolle.

Der gemeine Wert ist der erzielbare Verkaufspreis. Er wird häufig angesetzt, wenn Gebäude zum Abbruch bestimmt sind oder ein Gebäude seinem Zweck nicht mehr dient und damit dauerhaft entwertet ist. Im Rahmen der Wohngebäudeversicherung kommt die Versicherung zum gemeinen Wert sehr, sehr selten vor.